Auftaktkrimi: Politze-Freiwurf läßt Deutschland jubeln

print | Montag 02 April 2012, 01:45 | Wolfgang Philipps

Zäher, aber erfolgreicher Auftakt im fernen Kanada: Deutschlands Männer starteten beim Olympiaqualifikationsturnier in Edmonton mit einem 10:9 (3:2, 4:4, 0:1, 3:2)-Erfolg in der Schlüsselpartie gegen EM-Achten Rumänien in das achttägige Turnier und holten sich die ersten neuralgischen Punkte auf dem Weg nach London. Der Siegtreffer in der dramatischen Partie fiel trotz langer Führung der deutschen Mannschaft erst 5,1 Sekunden vor dem Ende durch einen von Marc Politze direkt verwandelten Freiwurf.

Der Jubel nach der Schlußsirene und dem gelungenen Turnierstart war groß, doch die Partie gegen die „schwierigen“ Rumänen erwies sich in der Tat einmal mehr als schwierig: Ähnlich wie beim nicht minder wichtigen 10:9-Erfolg auf dem EM-Turnier von Eindhoven (Niederlande) startete die Sieben von Bundestrainer Hagen Stamm (Berliin) in der Schwimmhalle des Kinsmen Sports Centre stark und schien optisch auch Kontrolle über das Spiel zu haben. Die schnelle 2:0-Führung nach Toren von Marc Politze und Erik Bukowski (4.) konnten die Rumänen nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch zum 2:2-Ausgleich (7.) ausgleichen. Nach einem postwendenden Überzahltreffer von Moritz Oeler ging das Wasserball-Team Deutschland allerdings doch mit einem 3:2-Zwischstand in die erste Pause.
 
Einmal mehr genoß die rumänische Mannschaft bei einem Gastspiel in der angelsächsischen Welt Vorteile bei der Fanunterstützung auf der Tribüne: Die Anhänger konnten im torreichen zweiten Abschnitt reichlich jubeln, auch wenn die deutsche Mannschaft fast durchweg in Front lag. Nach dem abermaligen 3:3-Zwischenstand (8.) sorgten weitere Treffer von Bukoswki und Tobias Kreuzmann für eine erneut 5:3-Führung (12.), allerdings war die Torflut nur bedingt nach dem Geschmack der Deutschen. In dem Abschnitt trafen danach auch Paul Schüler und Center Sven Roeßing, allerdings fehlte den Deutschen in dieser Phase vielleicht einmal eine länger gehaltene Zwei-Tore-Führung, um das eigene, kontrollierte Spiel aus einer gesicherten Position aufziehen zu können. So erzielte auch hier Rumäniens WM-Torschützenkönig Cosmin Radu 30 Sekunden vor der Halbzeitpause den abermaligen Anschlußtreffer zum 6:7 aus Sicht der „Tricolori“.
 
Zudem folgte eine deutsche Schwächephase im torarmen dritten Abschnitt, die es zu überwinden galt: Drei Überzahlchancen ließ die DSV-Auswahl hier samt und sonders aus; ein Tor wollte in dieser entscheidenden Phase partout nicht gelingen. Stattdessen trafen hier die Rumänien durch Niculae Diaconu zum 7:7-Ausgleich (21.), gute Aktionen von Schlußmann Alexander Tchgir verhinderten hier jedoch Schlimmeres. Der deutsche Leerlauf im Angriff setzte sich auch nach dem letzten Anschwimmen fort, und es beschlich den Beobachter das Gefühl, daß eine glückliche Aktion das Spiel entscheiden könnte. Als in der 27. Minute dann Rumäniens Center Cosmin Radu gar das 8:7 und die erstmalige Führung des EM-Achten erzielte, kam Erinnerungen an die 5:6-Niederlage der deutschen Mannschaft nach zähem Spiel gegen den gleichen Kontrahenten beim WM-Turnier 2005 in dem einen halben Kontinent entfernten Montreal auf.
 
Doch der fast eineinhalb Viertel währende Bann brach ebenso plötzlich wieder, wie er gekommen war: Zwei Tore aus Kontersituationen durch Politze und Kreuzmann als regelrechter Doppelschlag brachten unter den Augen des tags zuvor angereisten DSV-Fachspartenvorsitzende Ewald Voigt-Rademacher (Dielheim) die erneute 9:8-Führung der deutschen Auswahl, die mit diesem Vorsprung auch in die Schlußminute ging. Die Stamm-Sieben hatte davor jedoch auch die zweite Überzahlchance der Partie mit einer verknüpften Auszeit ausgelassen, und das sollte sich rächen: 11,8 Sekunden vor dem Ende traf abermals Diaconu aus dem Rückraum zum 9:9-Ausgleich. Die letzten Sekunden wurden einmal mehr durch hartes Pressing geprägt, wobei der bereits zweimal erfolgreiche Marc Politze auf der linken Seite die Gunst der Stunde nutzte: Sein direkter Freiwurf wurde von Rumäniens viermaligen Torschützen Cosmin Radu leicht abgefälscht und rutschte über die Linie – der Siegtreffer 5,1 Sekunden vor dem Ende einer dramatischen Partie.

Bundestrainer Hagen Stamm zeigte sich nach dem Spielende erleichtert über den wichtigen Auftaktsieg bei diesem Elf-Nationen-Turnier: „Das war wirklich ein dramatisches Ende. Die Rumänen kamen glücklich zum Ausgleich, und uns stand das Glück in den Sekunden danach zur Seite. Klasse, daß Marc die Nerven behalten hat!“ Der dramatische Auftakterfolg ist aus deutscher Sicht jedoch nicht nur punktetechnisch wichtig: Nächster Kontrahent der DSV-Auswahl wird nach nurzer Pause bereits heute nacht von 2:20 Uhr MESZ an der frischgebackene Vize-Europameister und Gruppenfavorit Montenegro sein, der sich seinerseits zum Auftakt mit 12:6 gegen die Niederlande durchsetzen konnte - gegen diesen Kontrahenten und die weiteren Gruppenrivalen läßt sich mit einem Punktgewinn im Rücken auch mental etwas leichter agieren.  
 
  
 
Olympiaqualifiaktionsturnier der Männer 2012 in Edmonton (Kanada) 
 
Gruppe A, 1. Spieltag
 
Deutschland - Rumänien 10:9 (3:2, 4:4, 0:1, 3:2)
 
Deutschland: Tchigir - Naroska, Wollthan, Real, Stamm, Politze 3, Bukowski 2, Schüler 1, Kreuzmann 2, Oeler, Naroska, Roeßing 1, Kong.
 
Schiedsrichter: Peric (CRO)/Flahive (AUS)
FINA-Beobachter: Ibern (ESP)
 
Zuschauer: 250
  
  
   
Resultate des Eröffnungstages
 
Sonntag, den 1. April 2012
13:50 Montenegro - Niederlande 12:6 (2:1, 4:2, 4:1, 2:2) - Gruppe A
15:10 Griechenland - Mazedonien 12:2 (1:0, 3:2, 3:0, 5:0) - Gruppe A
16:30 Deutschland - Rumänien 10:9 (3:2, 4:4, 0:1, 3:2) - Gruppe A
17:50 Spanien - Brasilien  17:7 (3:2, 4:3, 6:1, 4:1)- Gruppe B
20:00 Türkei - Argentinien 9:9 (2:3, 2:2, 2:2, 3:2) - Gruppe B
 
Punktestand Gruppe A: Griechenland 2, Montenegro 2, Deutschland 2, Rumänien 0, Niederlande 0, Mazedonien 0.
Punktestand Gruppe B: Spanien 2, Türkei 1, Argentien 1, Brasilien 0, Kanada bisher spielfrei.

 
 
Nächste Spiele
 
Montag, den 2. April 2012
13:00 Argentinien - Spanien - Gruppe B
15:40 Niederlande - Mazedonien - Gruppe A
17:00 Rumänien - Griechenland - Gruppe A
18:20 Montenegro - Deutschland - Gruppe A
19:40 Kanada - Brasilien - Gruppe B
 
Titelbild: Julian Real im harten Clinch mit Rumäniens viermaligen Torschützen Cosmin Radu - ein Schüsselduell der Auftaktpartie. Foto: Russell McKinnon.

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