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Profis stoppen „müde Krieger“

Der WM-Dritte Kroatien siegte am vierten Weltliga-Spieltag in Magdeburg vor 600 Zuschauern mit  11:6 (3:2, 2:1, 3:2, 3:1) gegen den frischgebackenen EM-Fünften Deutschland und hat sich damit für die jüngste EM-Niederlage teilweise rehabilitiert. Kapitän Marc Politze kam in der nach einer großflächigen Renovierung wiedereröffneten Schwimmhalle an der Großen Diesdorfer Straße bei seinem 400. Länderspiel zu zwei Treffern für die deutsche Mannschaft, die mit der zweiten Niederlage ihre Chance auf den Gruppensieg und damit verbundene Endrundenteilnahme vorzeitig eingebüßt hat.  

Siege gegen die Wasserball-Hochburg Kroatien gibt es weder auf Bestellung noch am laufenden Band, wie die Anwesenden in der nahezu vollbesetzten Halle unmißverständlich erkennen konnten:  Nach dem 10:9-Erfolg beim EM-Coup in Eindhoven (Niederlande) nur 25 Tage zuvor und der 15:16-Auswärtsniederlage nach Fünfmeterwerfen beim Hinspiel im kroatischen Dubrovnik gaben sich die Profis von der Adria gegen die „müden Krieger“ von Bundestrainer Hagen Stamm (Berlin) diesmal keine Blöße. Nach dem Debakel von Eindhoven hatte Toptrainer Ratko Rudic bei seinem möglichweise letzten Aufgebot auf deutschem Boden allerdings auch sein bestes Aufgebot ins Wasser geschickt und vor Spielbeginn noch einmal unterstrichen, daß er unbedingt zum Weltliga-Finale möchte.
 
„Der hätte auch 30 andere Spieler mitbringen können“, sagte Bundestrainer Hagen Stamm (Berlin) unter Hinweis auf die deutlich höhere Kadertiefe des Europameisters von 2010 und Weltmeister des Jahres 2007 und möglicherweise anders gesetzte Prioritäten im Olympiajahr über den gewählten Kader des WM-Dritten. Personell konnte der DSV-Coach bei der großen EM-Revanche in der alten deutschen Wasserball-Hauptstadt seinerseits allerdings auch diesmal nicht aus dem vollen schöpfen: Zusätzlich zu den beiden bereits im Vorfeld vermeldeten Wechseln war auf deutscher Seite kurzfristig auch noch Hannes Schulz krankheitsbedingt für den bei dem besagten EM-Coup gegen Kroatien stark aufspielenden Marko Stamm nachgerückt; Dennis Eidner und Tim Wollthan waren zudem angeschlagen in die Partie gegangen.
 
Die mit den Nachrückern Dennis Eidner und Maurice Jüngling in der Startformation aufgelaufenen Deutschen starteten bei der Rückkehr an die Große Diesdorfer Straße durchaus vielversprechend, doch letztlich arbeitete der heutige Spielverlauf anders als in Eindhoven diesmal den ebenso rountiniert wie konzentriert auftretenden Gästen in die Hände: So erzielte der vor Spielbeginn geehrte Jubilar Marc Politze mit einem Freiwurf nach nur 54 Sekunden zwar die 1:0-Führung, allerdings antwortete der entthronte Europameister postwendend mit zwei eiskalten Rücktraumtreffern, und dieses Szenario war letztlich auch das Programm des heutigen Abends. Anders als bei der EM-Niederlage gab sich die Rudic-Sieben diesmal keine echte Blöße, und aus kroatischer Sicht folgte in den entscheidenden Augenblicken zudem auch jeweils der benötigte Torerfolg.

Paul Schüler, Schütze des Siegtores in Eindhoven, glich unter den Augen des erneut anwesenden DSV-Fachspartenvorsitzenden Ewald Voigt-Rademacher (Dielheim) kurz vor der Viertelpause noch einmal zum 2:2 aus, doch passend zum weiteren Spielverlauf erzielte Kroatiens Jungstar Sandro Sukno sieben Sekunden vor Sirene mit seinem Überzahltreffer zum 3:2 die abermalige Führung der Gäste. Es ging zunächst ausgeglichen weiter, und die DSV-Auswahl ließ in einer Überzahlmöglichkeit den Ausgleich liegen, doch zwei weitere kroatische Treffer zum 5:2 (13.)  sorgten für eine  bereits schwerwiegende Führung des Favoriten, der die Deutschen in der Folge nicht mehr entscheidend herankommen ließ. Die DSV-Kanoniere hatten in der Folge noch einige gute Möglichkeiten auf der Hand, insgesamt aber wenig Fortune im Abschluß, was dann auch seinen Niederschlag im Endergebnis fand.
 
Bundestrainer Hagen Stamm hatte bereits vor der Partie durchblicken lassen, daß die Spieler  nach den Belastungen der vergangenen Wochen „müde“ seien, und bemängelte nach Spielende die ein oder andere „Konzentrationsschwäche“, mit der sich eine solche Partie in der Tat nicht gewinnen läßt: „Nur wenn wir mit 120 Prozent spielen, haben wir gegen Kroatien eine Chance“, zeigte sich Stamm vor den Fernsehkameras über den Ausgang der Partie  allerdings auch nicht überrascht, wertete diese vor den weiteren Saisonhöhepunkten aber auch nicht als Rückschlag. „Wir brauchen keine Angst zu haben“, sagte der Berliner, ergänzte allerdings auch einen anderen nicht unwichtigen Punkt: „Aber dann müssen aber auch alle einsatzfähig sein.“ 
 
Mit der zweiten deutschen Niederlage im dritten von vier Vorrundenspielen ist damit auch die Vorrundengruppe B der diesjährigen Weltliga bereits nach dem vierten Spieltag entschieden: Kroatien steht in dem Dreierfeld vorzeitig als Gruppensieger fest und reist damit auch diesmal zum Weltliga-Finale, das vom 12. bis 17. Juni im zentralasiatischen Almaty (Kasachstan) stattfindet. Aus deutscher Sicht ist dieses insofern schade, da diesmal lediglich drei europäische Teams auf der Achter-Endrunde vertreten sind und damit die Chance auf eine Topplazierung bestanden hätte. So bleibt es bei der Möglichkeit, sich und die Sportart in zwei Heimspielen zu repräsentieren. Ein kurzer Fernsehbericht über den Auftritt an der Elbe läuft morgen mittag ab 12 Uhr in dem regionalen ARD-Ableger MDR 3.
 
 

Weltliga,  Gruppe B, 4. Spieltag in Magdeburg
 
Deutschland - Kroatien 6:11 (2:3, 1:2, 2:3, 1:3)
 
Deutschland: Alexander Tchigir – Tim Wollthan, Fabian Schroedter, Julian Real 1, Hannes Schulz, Marc Politze 2, Erik Bukowski, Paul Schüler 1, Maurice Jüngling, Moritz Oeler 1, Dennis Eidner 1, Sven Roeßing, Roger Kong.
Trainer: Hagen Stamm.
Kroatien: Josip Pavic - Damir Buric, Miho Boskovic 2/1, Niksa Dobud 1, Maro Jokovic 3, Petar Muslim 1, Frano Karac, Andro Buslje, Sandro Sukno 3, Samir Barac 1, Fran Paskvalin, Paolo Obradovic, Ivan Buljubasic.
Trainer: Ratko Rudic. 
   
Persönliche Fehler: 11/9
 
Schiedsrichter: Naumov (RUS)/Colimanas (ESP)
 
Punktestand Gruppe B: Kroatien 3 Spiele/8 Punkte, Deutschland 3/4, Mazedonien 2/0.
 
 

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