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EM-Revanche an der Elbe - „keine Vergeltungsmission“

print | Dienstag 14 Februar 2012, 05:43 | Wolfgang Philipps


Ginge es um Fußball oder Profi-Boxen, würden sich die Fernsehsender vermutlich mit reißerischen Werbespots für die Veranstaltung übertrumpfen: Genau 25 Tage nach einer der spektakulärsten EM-Partien einer deutscher Mannschaft seit Jahrzehnten stehen sich die DSV-Auswahl und der entthronte Europameister Kroatien heute abend am vierten Vorrundenspieltag der Weltliga erneut mit Topaufgeboten gegenüber. Zusätzlich pikant neben der EM-Revanche: Bei der eher zufällig auf dem Plan stehenden Partie geht es in Magdeburg (19 Uhr, Schwimmhalle Große Diesdorfer Straße) sogar im Direktvergleich um den Einzug in das Endrundenturnier der diesjährigen Weltliga.

Das Duell mit dem Weltmeister von 2007 und dem Europameister von 2010 wäre schon unter normalen Umständen ein sportlicher Knüller, doch vor Monatsfrist hat die Sieben von Bundestrainer Hagen Stamm (Berlin) beim EM-Turnier in Eindhoven (Niederlande) beim vierten Vorrundenauftritt gegen die favorisierten Profis von der Adria vor gut 1.000 Zuschauern in einer atemberauenden Partie trotz eines regelrechten „Lazarettaufgebots“ (nur elf Spieler) durch einen Treffer von Paul Schüler in der letzten Minute sensationell mit 10:9 gewonnen und aufgrund des gewonnenen Direktvergleichs den amtierenden Europameister letztlich bereits nach der Gruppenphase aus dem Turnier gekegelt.
 
Die kurzfristige Neuauflage des Duells in der alten deutschen Wasserball-Hochburg Magdeburg ist daher unbeabsichtigt auch zur großen „EM-Revanche“ geworden. DSV-Teammanager Michael Zellmer (Hannover) wertet die Partie nach dem aktuellen Stand der Terminplanung als „Länderspiel-Highlight des Jahres auf deutschem Boden“, zumal die Kroaten für ihr Gastspiel an der Elbe ein absolutes Topaufgebot angekündigt haben. Auswärtige Besucher der Partie sind zudem gespannt auf die nach einer umfangreichen Renovierung wiedereröffnete Schwimmhalle an der Großen Diesdorfer Straße, die seit Jahrzehnten die Heimstätte des Magdeburger Wasserballsports ist und in der Szene zumeist immer noch als „Dynamo-Halle“ firmiert. Die traditionsreiche Spielstätte feiert damit auch ihr internationales Comeback.
 
Es geht auch um dicke sportliche Meriten, da dem Sieger der Partie die Teilnahme am Weltliga-Finale in Almaty (Kasachstan/12. bis 17. Juni) winkt. Bei einem Sieg wären die Gäste von der Adria bereits vorzeitig qualifiziert. Das Wasserball-Team Deutschland hat das Hinspiel in der kroatischen Wasserball-Hochburg Dubrovnik damals nur denkbar knapp mit 15:16 im Fünfmeterwerfen verloren und durch das Unentschieden nach regulärer Spielzeit noch einen der drei vergebenen Punkte eingefahren. Sollte die Deutschen wie beim EM-Turnier mit zumindest einem Treffer Vorsprung in der regulären Spielzeit gewinnen, würde ihnen beim letzten Auswärtsspiel in Skopje (Mazedonien) bereits einer der drei dort vergebenen Punkte zum ersten Platz und der ersten Endrundenteilnahme seit 2007 reichen.
 
Zusätzlich pikant: In Eindhoven hatte sich der Kroate Andro Buslje zu einer Tätlichkeit gegen DSV-Center Sven Roeßing verleiten lassen und war für die Rest der Spieles des Wasser verwiesen worden. Daß der vermeintlich unerfahrenste Spieler auf deutscher Seite den kroatischen Europameister mit einem unsanften, aber durchaus branchenüblichen Handgriff provoziert hatte, sorgte im Umfeld der Partie noch für einige Diskussionen. Beide Akteure sind nach vorliegenden Meldungen heute abend wieder dabei, allerdings wollte Kroatiens Trainerikone Ratko Rudic, dreimaliger Olympiasieger mit Jugoslawien und Italien, gegenüber den heimischen Medien von einer „Vergeltungsmission“ nicht wissen und mahnte starke Abwehrarbeit wie auch Qualität des eigenen Spieles an.
 
Laut dem auch beim Wasserball geduldigen Papier wird die deutsche Auswahl gegenüber dem erfolgreichen EM-Aufgebot mit zwei Veränderungen aufwarten: So wird der angeschlagene Center Andreas Schlotterbeck (Spandau 04) durch seinen Vereinskameraden Dennis Eidner ersetzen, und Routinier Tobias Kreuzmann (Duisburg) verzichtet studienbedingt zugunsten von Nachwuchstalent Maurice Jüngling (ebenfalls Spandau). Kurioserweise hatten Kreuzmann wie auch Schlotterbeck bei dem EM-Coup von Eindhoven gar nicht mitgespielt, sondern waren grippebedingt sogar gleich ganz im Hotel geblieben. Die DSV-Auswahl stieg schließlich mit elf Spielern ins Wasser und wirkte zwischenzeitlich stehend „ko“ – heute kann Stamm auf 13 Akteure zurückgreifen.  
  
 
 
Weltliga, Vorrundengruppe B, 4. Spieltag in Magdeburg

Deutschland - Kroatien
 
Wasserball-Team Deutschland
 
Tor: Alexander Tchigir (Wasserfreunde Spandau 04) und Roger Kong (SG W98/Waspo Hannover)
Feld: Fabian Schroedter, Marko Stamm, Marc Politze, Erik Bukowski, Maurice Jüngling, Moritz Oeler, Dennis Eidner (alle Wasserfreunde Spandau 04), Julian Real, Paul Schüler, Sven Roeßing (jeweils ASC Duisburg) und Tim Wollthan (SV Bayer Uerdingen).
 
Bundestrainer: Hagen Stamm (Berlin)
Co-Trainer: Nebojsa Novoselac (Berlin).

Spielstätte: Schwimmhalle Große Diesdorfer Straße („Dynamo-Halle“), Große Diesdorfer Straße 104a, 39110 Magdeburg.
 
Punktestand Gruppe B nach der Hindrunde: Kroatien 5 Punkte, Deutschland 4, Mazedonien 0.
 

> Bericht über das EM-Spiel gegen Kroatien
  

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